Student sein

  1. Student sein, wenn die Veilchen blühen,
    das erste Lied die Lerche singt,
    Der Maiensonne junges Glühen
    triebweckend in die Erde dringt.
    Student sein, wenn die weißen Schleier
    vom blauen Himmel grüßend weh’n
    |: Das ist des Daseins schönste Feier!
    Herr, laß sie nie zu Ende geh’n! :|

  2. Student sein, wenn die Humpen kreisen,
    in lieberschloss’nem Freundesbund
    von alter Treue bei den Weisen
    der Väter jauchzt der junge Mund.
    Student sein, wenn die Herzen freier
    auf der Begeist’rung Höhe stehn:
    |: Das ist des Daseins schönste Feier!
    Herr, laß sie nie zu Ende geh’n! :|

  3. Student sein, wenn zwei Augen locken,
    ein süßer Mund verschwiegen küßt,
    daß jählings alle Pulse stocken,
    als ob im Rausch man sterben müßt’.
    Student sein, in der Liebe Morgen,
    wenn jeder Wunsch ein frommes Flehn:
    Das ist das Leben ohne Sorgen!
    Herr, laß es nie vorübergehn!

  4. Student sein, wenn die Veilchen blühen,
    das erste Lied die Lerche singt,
    Der Maiensonne junges Glühen
    triebweckend in die Erde dringt.
    Student sein, wenn die weißen Schleier
    vom blauen Himmel grüßend weh’n
    |: Das ist des Daseins schönste Feier!
    Herr, laß sie nie zu Ende geh’n! :|

Otto Lob